Archivale des Monats: Ein Gerät gegen die unsichtbare Gefahr: Der Geigerzähler im Stadtarchiv Waldkirch
Zwischen alten Akten, Büchern und Plänen bewahrt das Stadtarchiv Waldkirch auch ungewöhnliche Gegenstände auf, die spannende Einblicke in die Vergangenheit ermöglichen. Ein Beispiel ist ein grauer, rechteckiger Kasten mit einer Drehscheibe zur Regulierung, einem roten Einschaltknopf an der Seite und einer dicken Röhre an der Oberseite, die an die Antennen alter Mobiltelefone erinnert. Es handelt sich um einen Imperial-Volks-Geigerzähler. Ein Geigerzähler ist ein Gerät, um radioaktive Strahlung zu messen. Doch warum befindet sich ein solches Gerät im Stadtarchiv?
Kalter Krieg und Tschernobyl: Die Angst vor radioaktiver Strahlung
Mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 wurde die zerstörerische Kraft von Atomwaffen auf dramatische Weise sichtbar. In den folgenden Jahrzehnten prägte der Kalte Krieg die Weltpolitik. Die beiden Machtblöcke im Osten und Westen standen sich feindlich gegenüber und drohten einander mit Atomwaffen. Das geteilte Deutschland lag mitten in diesem Spannungsfeld. Die Angst vor einem möglichen Atomkrieg gehörte für viele Menschen zum Alltag. In Schulen wurde über das richtige Verhalten im Ernstfall gesprochen, und manche Familien besaßen Geigerzähler, um radioaktive Strahlung messen zu können. Die Havarie des Atomkraftwerks Tschernobyl 1986 verstärkte diese Angst.
Ein ungewöhnliches Objekt bewahrt Zeitgeschichte
Wie der Geigerzähler ins Stadtarchiv Waldkirch gelangte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Möglicherweise kam er durch eine Schenkung oder aus einem Nachlass in die Sammlung. Seine Bedeutung liegt nicht allein in seiner technischen Funktion. Das Gerät erinnert an eine Zeit, in der die Angst vor einem Atomkrieg und vor radioaktiver Strahlung das Leben vieler Menschen beeinflusste. Der Geigerzähler ergänzt die schriftlichen Zeugnisse der Vergangenheit und macht Geschichte auf eine andere Weise greifbar. Die Archivalie des Monats zeigt damit, wie vielfältig die Aufgaben des Stadtarchivs sind: Es bewahrt nicht nur Dokumente, sondern auch Gegenstände, die von den Sorgen, Erfahrungen und Lebensumständen vergangener Generationen erzählen.
Signatur
StAW, M 4, Nr. 9
Über das Stadtarchiv
Das Waldkircher Stadtarchiv ist das Gedächtnis der Stadt und zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zur Stadtgeschichte. Dort werden Originaldokumente und Objekte aus mehr als 700 Jahren Stadtgeschichte bewahrt. Einmal im Monat stellt das Archiv ein besonderes Dokument oder einen ausgewählten Gegenstand aus seinem Bestand vor. Weitere Infos zum Stadtarchiv sowie Öffnungszeiten finden Sie online:
zur Webseite des Stadtarchivs.
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